Samstag, 21. Juli 2012

Die ersten Meilen

Nachdem wir nun schon zweimal in diesem Jahr massives Wetterglück in unserem Schottlandurlaub und auf dem Ostseetörn gehabt hatten, verfolgte uns nach unserer Rückkehr in heimische Gefilde leider der mieseste Sommer, an das ich mich erinnern kann. Neben der üblichen norddeutschen Neigung zu permanentem Nieselregen verhagelte uns der Juli einen freien Tag nach dem anderen.

Um so erfreulicher war es, daß sich heute nach längerer Wartezeit endlich kein meteorologisches Hindernis für eine Runde Segeln mit "Thor" abzeichnete... kein Gewitter, kein Starkwind, keine Hagelschauer, keine endlosen Regengüsse. Sofort nach dem Frühdienst setzte ich mich ins Auto und fuhr zum Hafen, wo ich Christian (den Ingenieur) traf. Auf der Hinfahrt geriet ich mitten in einen sintflutartigen Regen, aber kaum war ich auf dem Steg, kam die Sonne durch.

Bei lockeren vier Windstärken liefen wir aus, setzten die Segel und fuhren mit dem Flutstrom weseraufwärts vorbei an unserem direkten Nachbarn, dem Atomkraftwerk in Esenshamm.




Die Unterweser mit ihren satten grünen Marschen und Weiden ist ein wunderschönes Segelrevier. Ich hatte zum ersten Mal die Gelegenheit, die Gegend ausgiebig vom Wasser aus zu betrachten und war ziemlich froh, daß wir uns seinerzeit entschlossen hatten, unseren Liegeplatz nicht weiter flußaufwärts zu wählen, sondern hier unten, wo viel Platz zum Segeln ist und man sich bereits fast wie in einem Meeresarm fühlt.




Obwohl es Freitagmittag war und das Wetter sich ohne Regen mit einem Wechsel von Sonne und schnellziehenden Wolken ganz gnädig zeigt, sahen wir kaum Segler außer uns. Dafür rauschten einige größere Frachtschiffe an uns vorbei und brachten "Thor" mit ihrer Heckwelle zum Tanzen.




Kurz vor Brake passierten wir den Niedersachsenkai mit seinen großen Kränen, Silos und diversen Frachtern verschiedenster Größe.




Allerdings stellten wir fest, daß in der Abdeckung der Hafenanlagen der Wind nicht nur abnahm, sondern auch ständig unvorhersehbar drehte, so daß wir dies zum Anlaß nahmen, umzudrehen und die Rückfahrt anzutreten. Inzwischen war die Tide gekentert, und der beginnende Ebbstrom und der böige Nordwestwind zeigten uns, daß "Wind gegen Strom" hoch am Wind tatsächlich eine etwas kabbelige Sache ist.

"Thor" schlug sich aber ganz vorbildlich, reagierte prompt auf kleinste Ruderlage und zeigte sich als sehr angenehm zu segelndes Boot. Der Bug tauchte weich in die Wellen ein und bedachte uns nur ab und zu mit der einen oder anderen kleinen Gischtdusche, als wir stromabwärts kreuzten. Übermäßig dichtgeholte Segel quittierte das Boot mit gelegentlichem Anluven, aber mit einem kleinen Schrick in der Großschot lief es mit minimalen Kurskorrekturen zuverlässig mit konstanten fünf Knoten durchs Wasser. Gelegentlich drückte uns eine etwas kräftigere Böe ordentlich auf die Seite, aber mit über 400 kg Ballast unter dem Rumpf dürfte da noch eine ganze Menge Spielraum sein... ich fühlte mich niemals unsicher und faßte sofort ein grundlegendes Zutrauen zu unserem schwimmenden Untersatz.

Um halb sieben liefen wir mit 19 Meilen im Kielwasser wieder ein... der erste richtige Segeltag mit "Thor" lag hinter uns und hatte alle unsere Erwartungen erfüllt. Fazit: ein gelungener Kauf.

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