Bei wunderschönem Wetter liefen wir um kurz nach zehn Uhr aus dem Yachthafen Sønderborg aus und bogen im Stadtzentrum von Sønderborg in den Als Sund ein. Der Als Sund, der bei Sønderborg in die Flensburger Förde mündet, trennt die Insel Als vom dänischen Festland. Er wird im alten Stadthafen von Sønderborg von einer Klappbrücke (der Christian X. Bro) überspannt, die sich in regelmäßigen Abständen für den Schiffsverkehr öffnet. Als wir ankamen, drehten schon etliche Yachten im Hafenbecken ihre Warterunden, und nach kurzer Wartezeit von wenigen Minuten öffnete sich die Brücke und wir konnten passieren. Kurz darauf folgte eine weitere Straßenbrücke, die allerdings mit einer Durchfahrtshöhe von 33 Metern von allen Booten durchfahren werden konnte.
Nach der Brücke weitete sich der Sund schnell auf eine Breite von einigen hundert Metern, und als sich der Pulk der nordwärts fahrenden Yachten etwas verteilt hatte, setzten wir bei bestem Wind die Segel. Obwohl unsere Charteryacht zu unserem anfänglichen Mißvergnügen keine Genua hatte, sondern nur mit einer kleinen Selbstwendefock ausgestattet war, stellte sie sich als ziemlich fix heraus, und wir ließen mit streckenweise 8 Knoten über Grund ein Boot nach dem anderen hinter uns.
Einige Seemeilen weiter nördlich ging der Als Sund in den weiten Als Fjord über. Der Wind nahm zu und wir segelten mit guter Geschwindigkeit und ordentlich Schräglage auf nordwestlichem Kurs der Fjordmündung entgegen. Nachdem wir uns im Sund zuerst wie in einem Formel-1-Starterfeld gefühlt hatten, verliefen sich jetzt die Boote mehr und mehr in der Weite, und schnell hatten wir die große grüne Ostsee fast exklusiv für uns. Bei herrlichstem Segelwetter und bester Stimmung passierten wir die Mündung des Als Fjord und liefen am Åbenrå Fjord vorbei in den Kleinen Belt.
Vor uns lag die Insel Barsø. Da wir einen passionierten Hochseeangler an Bord hatten, bargen wir in Lee von Barsø die Segel und ließen uns bei sanftem Seegang vom Westwind hinaus auf den Kleinen Belt in Richtung Fünen treiben, während die Angel auswarf und die Fische mit funkelnden Metallteilchen und die Crew mit der Ankündigung von frischer Makrele und Dorsch köderte. Leider blieb ersteres erfolglos, was auch letzteres zum Scheitern verurteilte.
Da schließlich auch zwei weniger seefeste Crewmitglieder bzw. deren Mägen sich mit dem ständigen instabilen Rollen des segellosen Bootes im Seegang nicht länger abfinden mochten, brachen wir den Fischzug ab, setzten wieder die Segel und kreuzten gegen den Wind südlich um Barsø herum in die Genner Bugt zu unserem Tagesziel, der kleinen Insel Kalvø, wo wir gegen drei Uhr nach 25 Seemeilen am Gästesteg des winzigen Yachthafens festmachten.
Kalvø liegt am inneren Ende der Genner Bugt und wird durch einen befahrbaren Damm mit dem Festland verbunden. Die Insel ist so klein, daß man in einer guten Viertelstunde einmal außen herumgewandert ist, und wird nur von einer Handvoll Leuten bewohnt. Früher gab es einen großen Werftbetrieb auf der Insel, von dem noch die Unterkünfte für die Arbeiter erhalten geblieben sind. Heute wird auf Kalvø ein Hotel und Ausflugslokal betrieben, das am Wochenende ein beliebtes Ziel für Bustouristen ist.
Als wir am Sonntagnachmittag ankamen, war der größte Trubel aber anscheinend schon vorbei, jedenfalls begegneten wir nur einigen freundlichen Seglern und Spaziergängern. Ein Rundwanderweg führt um die Insel, vorbei an idyllischen Wäldchen, die bis zum Ufer reichen, und breiten Schilfgürteln, die eher an einen Binnensee erinnern. Kalvø ist Naturschutzgebiet und die Heimat einer Vielzahl an Vogelarten, allerdings hatten die anscheinend gerade alle Betriebsferien, so daß wir sie nur auf den üblichen bunten Informationstafeln bewundern konnten.
Auf dem Rückweg bemerkten wir, daß die Schiffbautradition von Kalvø doch nicht vollständig der Vergangenheit angehört: direkt neben dem Hafen arbeiteten mehrere Bootsbauer eifrig an einem originalgetreuen Nachbau eines Wikinger-Langschiffs.
Den Abend ließen wir im Cockpit bei ein paar geistigen Getränken ausklingen, nachdem wir uns zum Abendbrot mehr oder minder erfolgreich an Backkartoffeln in unserem leider defekten Bordofen versucht hatten.
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