Unser Tag begann heute etwas früher als gewohnt, da einige unserer Päckchen-Nachbarn schon am Vorabend den dringenden Wunsch geäußert hatten, heute morgen einigermaßen zeitig auszulaufen. Also hieß es heute morgen schon um kurz nach neun "Leinen los".
Das Wetter zeigte sich gewohnt gutartig und wir segelten ein weiteres Mal unter einem blauen Morgenhimmel bei frischen drei bis vier Windstärken hoch am Wind südwestlich über den Kleinen Belt in Richtung Flensburger Förde.
Leider hatten wir nach fünf Tagen tollen Urlaubswetters anscheinend wohl unseren meteorologischen Kredit endgültig aufgebraucht, jedenfalls zog sich die Wolkendecke auf halber Strecke nach Sønderborg zu. Als wir kurz vor der Fördemündung waren, schlief der Wind endgültig ein. Das Boot rollte in der nun seitlich gerichteten alten Dünung, der Großbaum und das Großsegel schlackerten immer wieder durch ihr schieres Eigengewicht in Richtung Lee, und unsere etwas zarter besaiteten Gemüter klagten über aufkommende Seekrankheit.
Also bargen wir die Segel und dieselten in die Außenförde. Ein Meeresbewohner sorgte für etwas Abwechslung: kurz bevor wir in den Fördeeingang einbogen, tauchte ein kleiner Schweinswal einige Male etwa 20 Meter hinter uns in unserem Kielwasser auf.
Dieses Mal wollten wir in Sønderburg nicht den Yachthafen, sondern den idyllischen Stadthafen neben dem Schloß und der Batterie aufsuchen. Als wir gegen drei Uhr nachmittags in den Hafen gedieselt kamen, waren allerdings alle Liegeplätze direkt an der Pier bereits belegt. Wir legten uns also wie gestern wieder ins Päckchen neben eine Ausbildungsyacht einer bekannten deutschen Yachtschule.
Deren Schülerbesatzung murmelte auf unsere Frage, ob wir längsseits gehen dürften, zwar zuerst nur etwas von wegen "Skipper ist nicht da, können wir nicht entscheiden", ließ sich aber dann trotzdem überreden, ein paar Fender auszubringen und unsere Festmacher anzunehmen und. Wenig später kam noch eine zweite Schulyacht, eine ehrfurchtgebietende X-482 dazu und ging ihrerseits mit ihren 16 Metern Länge bei uns längsseits, so daß wir am Ende mit drei Yachten an der Hafenpromenade lagen.
Kaum lagen die Leinen und Landstromkabel, lief ein großer Traditionssegler in den Hafen ein. Als der 25 Meter lange massive Rumpf mit seinen über 120 Tonnen auf die Pier zulief, kurz vorher einlenkte und Gegenschub gab und scheinbar mühelos auf den Zentimeter genau an seinen freigehaltenen Liegeplatz plaziert wurde, sahen wir uns genötigt, unseren bisherigen Stolz auf unsere unfallfreien Hobbysegler-Hafenmanöver deutlich zu revidieren.
Nachdem das obligatorische Hafenbier durch die durstigen Kehlen geflossen war, machten wir uns zu einem kleinen Spaziergang durch die Innenstadt auf. Auch Sønderborg hat seine kleinen versteckten Gassen...
... ist aber mit seinen rund 27.000 Einwohnern eine richtige Stadt mit Shoppingmeile, Industrieanlagen und der Süddänischen Universität. Wir schlenderten bis hinunter zum Schloß...
... von wo man einen schönen Blick quer über den Stadthafen auf die Promenade mit unserem Liegeplatz hatte.
Zurück an Bord genossen wir das Abendessen und unsere letzten Biervorräte mit einem tollen Blick auf die von der sinkenden Sonne beschienene Flaniermeile am Hafen, wo die Yachten mittlerweile durchgängig in zwei bis drei Reihen lagen und an Land die Oldtimerfreunde mit auf Hochglanz polierten Autoklassikern ihre Runden drehten.
Dies war der letzte gemütliche Hafenabend unseres Törns... am nächsten Tag stand nur noch der Rückweg nach Flensburg und die Übergabe des Boots an den Vercharterer an. Etwas wehmütig saßen wir in der Abendsonne und stellten ein weiteres Mal fest, daß unsere gemeinsame Unternehmung ein voller Erfolg geworden war.
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