Dienstag, 3. Juli 2012

Ostseetörn - Tag 4

Wieder einmal begrüßte uns die dänische Südsee mit wunderschönem Wetter. Beim Ablegen mit unserer liebgewonnenen Patentmethode für enge Yachthäfen, einer Spring auf die Mittelklampe, bemerkten wir, daß einige Liegeplätze weiter gerade eine mit Segelschülern besetzte Bavaria 38 in die Box fuhr, die offensichtlich Hafenmanöver üben sollten. Die aufgeregte Aspirantin am Ruder bog mit viel Temperament ein, ihr nicht minder aufgeregter Mitsegler auf dem Vordeck brüllte "Aufstoppen! Aufstoppen!" und die Rudergängerin rupfte energisch am Gashebel. Leider in die falsche Richtung, was mit aufheulendem Diesel, viel Geknirsche und Gefluche quittiert wurde.

Wir schmunzelten etwas hinter der vorgehaltenen Hand, schauten dezent beiseite und dieselten in den Vorhafen, um die großzügig bemessenen Anlagen zu nutzen und unsererseits ein paar Runden Längsseitsanlegen an der Kaimauer zu üben... glücklicherweise ganz vorsichtig und ohne Sachschäden.

Um elf Uhr liefen wir dann endgültig aus und fuhren unter Motor durch das Grydeløb-Fahrwasser nach Südosten. Nachdem ich die Sonnenanbeterinnen vom Vorschiff vertrieben hatte...




... setzten wir Segel und liefen in langen Kreuzschlägen ostwärts entlang der Südküste von Fünen. Avernakø und Korshavn glitten an Steuerbord vorbei, ein leichter Wind sorgte für entspannte sechs Knoten Fahrt, und wir genossen Ostseesegeln der angenehmsten Sorte.




Wir rundeten Skarø und kreuzten in das enge Fahrwasser zwischen Tåsinge und Drejø. Eine Schnellfähre näherte sich aus Richtung Svendborg und verursachte eine Viertelstunde Rätselraten, weil wir aus ihrer Fahrtrichtung nicht ganz schlau wurden. Nach einiger Grübelei und etlichen Wettangeboten unseres Bordbuchmachers bemerkten wir, daß sie tatsächlich unseren Kurs steuerte, und drehten lieber eine Warterunde, bevor wir im Kielwasser der Fähre in Richtung Ærø weitersegelten.

Nachdem wir südlich von Drejø wieder freien Seeraum erreicht hatten, meldete sich ein weiteres Mal die Anglerfraktion zu Wort und verlangte nach ihrem Recht. Also bargen wir die Segel und ließen uns bei ruhiger See und herrlichstem Sommerwetter ein Stündchen treiben. Leider glänzten die Fische auch dieses Mal durch Abwesenheit, und so setzten wir wieder Segel und steuerten das wenige Seemeilen entfernte Ærøskøbing an. Inzwischen war es schon fast sechs Uhr und auf dem Kurs hoch am Wind wurde es etwas zugig.




Ærøskøbing hat - wie Fåborg - einen alten Handelshafen und einen direkt danebenliegenden neuen Yachthafen. Der Empfehlung unseres Hafenführers folgend liefen wir zuerst in den recht großen historischen Hafen ein, fanden aber leider nur eine einzige freie Box, die sich auch dieses Mal beim vorsichtigen Probieren als zu schmal für unsere Yacht herausstellte.




Da wir keine Lust hatten, uns längsseits an eine andere Yacht ins Päckchen zu legen, fuhren wir nach nebenan in den Yachthafen und fanden schnell eine passende Box am Stegkopf, in der wir nach einem etwas mißglückten ersten Anlauf schadensfrei anlegten. Unser Bordfeinschmecker sorgte schnell für eine große Portion Spaghetti mit Chili-Knoblauch-Sahne, und unter dem aufgehenden Mond gingen wir zum gemütlichen Teil des Abends über.



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