Nachdem Biancas sehnlichster Wunsch für diese Reise nunmehr erfüllt war, fuhren wir in den nordwestlichsten Teil der Insel auf die Halbinsel Duirinish. Der entlegenste Punkt dieses ohnehin schon ziemlich abgelegenen Fleckchens Erde ist die Landspitze Neist Point, an deren Ende sich ein Leuchtturm befindet.
Da jedoch eine befahrbare Straße bis kurz vor das Kap führt, war es mit der Einsamkeit nicht mehr weit her, weil die tolle Aussicht über die Hebridensee bis hinüber zu den Äußeren Hebriden natürlich nicht nur exklusiv in unserem Reiseführer stand. Der Fairness halber muß man allerdings sagen, daß wir durch die letzten sieben Tage, die wir überwiegend in erfreulich menschenleerer Einöde verbracht hatten, dahingehend etwas verzogen worden waren, daß wir mehr als zwei andere Touristen in unmittelbarer Sicht- und Rufweite schon beinahe als Zumutung empfanden. In Mitteleuropa wäre so ein Ort vermutlich von morgens bis abends mit Menschen überfüllt, mit Imbißständen zugepflastert und mit Ge- und Verbotsschildern gespickt.
Die Landspitze und ihr Umland fallen als malerische felsige Steilküste nahezu senkrecht ins Meer ab und bieten beste Baugebiete für nistende Seevögel. Tatsächlich hatten sich in unmittelbarer Nähe in den Steilwänden jede Menge Möwen, Seeschwalben und Trottellummen angesiedelt.
Nachdem wir eine Weile auf den Klippen gesessen, ins Weite geschaut, einen hypothetischen nächsten Segeltörn zu den Hebriden geplant und vergeblich nach den Walen und Delphinen Ausschau gehalten hatten, die hier angeblich mitunter zu beobachten sein sollen, machten wir uns wieder auf den Weg nach Süden, und zwar nach Carbost, einem kleinen Ort am Loch Harport an der Westküste der Isle of Skye.
Eigentlich ist in Carbost überhaupt nichts... wäre da nicht die einzige Whisky-Brennerei der Insel, die berühmte Talisker Distillery. Die mußte natürlich auf alle Fälle besichtigt werden.
Im Visitors Center erfuhren wir, daß wir gerade noch rechtzeitig zur letzten Führung des Tages angekommen waren.
Die Führung durch die Anlage gestaltete sich deutlich umfangreicher und interessanter als unsere Besichtung der Tomatin Distillery vor vier Tagen. Vor allem durften wir hier die gesamten Räumlichkeiten für jeden Schritt der Produktionskette betreten. Unsere Führerin erläuterte die gesamten Abläufe in allen Details auf unnachahmlich witzige Weise und ließ deutlich durchblicken, daß sie - wie die gesamte Belegschaft der Brennerei - bei diesem Traditionshandwerk mit viel Leidenschaft dabei ist. Wer ein klein wenig was für Whisky übrig hat und im Urlaub mal in diese Gegend kommt, dem kann ich einen Besuch in der Talisker Distillery nur wärmstens ans Herz legen.
Leider durften aus Brandschutzgründen im Inneren der Anlage keine elektronischen Geräte (inklusive Kameras und Handys) benutzt werden, aber zumindest konnte ich ein Foto des vollständig gefüllten Lagerraums machen...
In diesen ehemaligen Bourbon- und Sherry-Fässern aus Eichenholz reift der junge, doppelt destillierte Gerstenbrand über 10, 18 oder 25 Jahre zum Whisky heran, bevor er dann von der Faßstärke auf 45,8% herunterverdünnt und in Flaschen abgefüllt wird.
Das Ergebnis durften wir anschließend gleich selber testen. Ich hatte vorher erst einmal Talisker probiert, allerdings war das der letzte Whisky eines längeren Tastings gewesen und ich war damals nicht mehr wirklich "aufnahmefähig". Umso gespannter war ich dieses Mal. Um nicht in den Verdacht zu geraten, aus einem Whisky-Buch abgeschrieben zu haben, gebe ich einfach mal direkt meine simplen Whiskyanfänger-Eindrücke wieder: torfig-rauchig, dabei aber sehr ausgewogen mit einer feinen Süße und einem leichten Hauch Salz und Seeluft... ein ganz tolles Geschmackserlebnis. Das dezente Torf-Salz-Aroma kam auch eine halbe Stunde nach dem Verkosten immer mal wieder ganz vorsichtig im hinteren Bereich der Zunge durch und erinnerte an den vergangenen Genuß.
Auch Bianca (die sonst eigentlich "Passiv-Whiskytrinkerin" ist und höchstens mal gerne am Glas riecht) ließ sich zu einer Verkostung hinreißen und war genauso begeistert.
Nach diesem "geistigen" Erlebnis wollten unsere Mägen langsam auch wieder etwas Festes haben, und wir fuhren zum Abendessen nach Portree, dem Hauptort der Isle of Skye. Hauptstadt möchte ich eigentlich nicht sagen, denn auch Portree ist eher ein Dorf, bestenfalls ein kleines Städtchen.
Es gibt einen kleinen Hafen, der (wie hierzulande für Sportboote und kleine Fahrzeuge üblich) keine richtige Pier oder Steganlage hat, sondern nur einen flachen Strand und eine hohe Kaimauer mit Treppe. Die Boote liegen stattdessen vor dem Hafen an fest verankerten Muringbojen und werden nur per Dinghy betreten oder verlassen.
Auf dem Rückweg zum Auto lief uns dann zum Abschluß des Tages noch eine Folkloregruppe über den Weg, die auf dem Marktplatz in traditioneller Tracht ein Dudelsackkonzert gab.
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