Mittwoch, 30. Mai 2012

Schottland - Tag 6

Das schöne Wetter ist anscheinend leider zu Ende... heute morgen wachten wir bei bedecktem Himmel auf, und die Cuilinn Hills waren in dichten Hochnebel gehüllt. Der Blick aus dem Schlafzimmer über den Loch na Cairidh auf die gegenüberliegende und scheinbar zum Greifen nahe liegende Insel Scalpay entschädigte aber auch dafür. Außerdem ist Skye nicht umsonst die "Misty Isle". Angeblich kommt der Name aus dem Altnordischen und bedeutet ebendas... die neblige Insel oder Wolkeninsel.

Zumindest war es trocken und einigermaßen windstill, also beste Voraussetzungen für unsere anstehende Seekayak-Exkursion. Als wir bei dem Veranstalter im wenige Kilometer entfernten Lower Breakish ankamen, begrüßte uns zunächst unser Instruktor Donald mit einem zeitweise schwer verständlichen schottischen Akzent, aber viel Enthusiasmus. Außer uns gehörten noch vier französischsprechende Schweizer zur Gruppe, so daß das babylonische Sprachchaos bald komplett war.

Nach einer kleinen Einweisung ging es mit zwei Autos und einem vollen Kayaktrailer erstmal auf die Halbinsel Sleat an den Loch Eishort, einen Fjord im südwestlichen Teil der Insel.







Nachdem alle Kayaks abgeladen waren...




... und die zugeteilte Ausrüstung nach vielfachen Versuchen nach der Trial-and-Error-Methode  richtig angelegt worden war, ging es nach kurzer Erläuterung auch gleich aufs Wasser.

Zuerst fühlte es sich etwas kippelig an, aber nach kurzer Zeit und einem kleinen Manövertraining unter Donalds Anleitung begannen wir, uns in den langen, dünnen Plastikschalen etwas sicherer zu fühlen. Als wir uns alle "warmgefahren" hatten, führte Donald uns hinaus auf den Loch.  Nachdem die ersten Möwen, Kormorane, Austernfischer und Reiher uns bald kaum noch ein müdes Lächeln entlocken konnten,  tauchten allerdings bald die wahren Stars des Loch auf: die Seehunde. 

Irgendwo auf einer der vielen kleinen Felseninseln hatte sich eine ganze Kolonie angesiedelt, deren Angehörige sich mehr als neugierig zeigten. Sobald wir uns etwas ruhig verhielten und langsam treiben ließen, tauchten schnell einige Seehunde auf, die ihre runden Kugelköpfe aus dem Wasser streckten, uns mit großen fragenden Augen ansahen und sich dabei bis auf wenige Meter den Kayaks näherten. Eine plötzliche unabsichtliche schnelle Bewegung genügte allerdings, sie sofort wieder zum Abtauchen zu bewegen.

Eine etwas größere Insel mit perfektem weißen Korallensandstrand nutzten wir für eine kleine Rast vor der Fahrt quer über den Loch. Das Wasser war hier überall kristallklar und türkis, wie ich es eigentlich eher in südlichen Breiten erwartet hätte.




Nachdem wir allerdings feststellten, daß sie anscheinend von etlichen Vögeln zum Brüten genutzt wurde, hielten wir unseren Aufenthalt kurz und verabschiedeten uns schnellstmöglich wieder.




Auf der anderen Fjordseite gabs dann Mittagessen an einem kleinen Wasserfall.




Die Schweizer hatten mit Käseplatte, Schokoladenauswahl und warmen Trekkingmahlzeiten natürlich den Vogel abgeschossen und uns mit unserem Supermarktsnack aus dem Sandwichregal klar deklassiert.




Nach dem Mittag ging es dann ein weiteres Stück an der Steilküste entlang und dann bei etwas stärkerem Wind und Wellen wieder zurück in Richtung unseres Ausgangspunktes. Trotz einiger Wackelei kamen wir alle wohlbehalten und relativ trocken wieder drüben an und hatten anschließend das Gefühl, zumindest die Grundlagen einigermaßen sicher zu beherrschen.






Nachdem wir wieder an unserem Ausgangsstrand angekommen waren und uns von den nach wie vor überaus neugierigen Seehunden verabschiedet hatten, gab es nochmal eine Runde technisches "skill training" von Donald. In diesem Zusammenhang konnte ich empirisch beweisen, daß man Kayaks tatsächlich umkippen kann, wenn man nur ungeschickt genug darin herumhampelt...




Es war jedenfalls ein toller Tag, sehr viel Spaß und ein beeindruckendes Naturerlebnis, das wir gerne beizeiten mal wiederholen werden ...







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