Nach dem üblichen kräftigen schottischen Frühstück (ich weiß nicht, wie ich je wieder ohne Eier, Speck, Grillwürstchen und Baked Beans zum Frühstück auskommen soll) verließen wir heute morgen Aviemore und setzten unsere Fahrt nach Norden fort... natürlich wieder bei sommerlichen Temperaturen und keiner Wolke in Sicht.
Der Betreiber des "Ravenscraig" hatte uns auf eine Whiskybrennerei hingewiesen, die direkt auf unserem Weg lag, und so verließen wir nach kurzer Fahrt die A9 wieder für einen kleinen Abstecher in das Dörfchen Tomatin zur gleichnamigen Destillerie. Wir hatten Glück und erwischten gleich eine Führung, in deren Verlauf wir u.a. die gigantisch großen Kupferdestillen...
... und die umfangreichen Lagerräume für die Reifung der fertigen Fässer besichtigen konnten.
Im Anschluß an die Führung gab es natürlich ein Probierglas vom hauseigenen zwölfjährigen Single Malt, der sich als durchaus recht schmackhaft herausstellte. Tomatin hat nach eigenen Angaben in der Vergangenheit schwerpunktmäßig Whisky für die Blend-Produkte anderer Marken hergestellt, versucht aber mittlerweile auch mit eigenen Single Malts größere Marktanteile zu erringen. Daß die Destillerie schon mal komplett pleite war und ihre Alleineigentümer jetzt in Japan sitzen, verriet natürlich nicht die nette PR-Dame, sondern das Internet...
Anschließend fuhren wir nach kurzem Versorgungshalt im wunderschönen Inverness weiter entlang der Ostküste nach Norden und überquerten die weit ins Land hineinreichenden Meeresarme Moray Firth und Cromarty Firth.
Ein letzter Blick in die Weite über den Dornoch Firth bis hinunter zur tiefblauen Nordsee...
... und dann ging es hinein ins Herz der unwirtlichen und kaum besiedelten Northern Highlands. Die Straße wurde immer schmaler und beschränkte sich irgendwann auf eine einzige Fahrspur mit gelegentlichen Ausweichbuchten. Die Landschaft wurde rauher und erinnerte immer mehr an die nordschwedischen Fjälls.
Unter den vielen kleineren und größeren Seen, an denen wir vorbeikamen, hat uns der unwahrscheinlich schöne Loch Loyal am meisten beeindruckt.
Gegen Abend erreichten wir dann die Nordküste und konnten kurz vor unserem Zielort Durness das erste Mal einen Blick auf den offenen Atlantik werfen.
Durness selbst ist im Grunde nur ein Spar-Markt, eine Tankstelle und eine Handvoll verstreute Häuser am Ende der Welt. Viel entlegener geht es nicht... aber das macht den Charme dieser Gegend aus. Es gibt hier so wenig Menschen (Touristen eingerechnet) und so viel Platz, daß anscheinend niemand eine Notwendigkeit für Betretensverbote, Wegezwang und ähnlich "zivilisierte" Spielregeln sieht. Land und Meer, Strand und Viehweide, Klippen, Wanderwege und Straßen gehen hier überall vollkommen nahtlos ineinander über, und die einzige Einschränkung ist das Schild am Weidezaun mit der freundlichen Bitte, nach dem Überschreiten desselben den Wauwau doch bitte an die Leine zu nehmen.
Wir beschlossen den Tag jedenfalls mit einem ausgedehnten Spaziergang am weiten, fast menschenleeren Strand von Balnakeil (wo wir im Sand mehr Spuren von Schafen und Rindern als von Menschen fanden) in der Abendsonne. Was für ein verwunschener Ort...
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