Dienstag, 29. Mai 2012

Schottland - Tag 5

Der Morgen startete etwas diesig, als wir heute in Richtung Isle of Skye aufbrachen. Auch am fünften Tag ging es weiter auf kleinen Küstenstraßen entlang der spektakulären Steilküste in Richtung Süden. Wir entschieden uns ein weiteres Mal dafür, die zweispurige Landstraße in dem Örtchen Torridon zu verlassen und eine Route über eine kleine, einspurige Nebenstraße entlang der Applecross-Halbinsel zu wählen. Der leichte Dunst, der in den Fjordtälern hing und von der Morgensonne beleuchtet wurde, verlieh der Landschaft noch mehr Tiefe.




Kaum waren wir dann an der Mündung des Loch Torridon angekommen und bogen entlang der eigentlichen Küstenlinie nach Süden in Richtung Applecross ab, waren wir auf einmal binnen Minuten vom Nebel eingehüllt, und obwohl wir schon relativ hoch in den Bergen waren, waren weder die nur 20 km entfernten (und nicht eben kleinen) Berge der gegenüberliegenden Isle of Skye noch die dazwischenliegenden kleineren Inseln Raasay und Rona zu sehen. Die Gegend um Skye ist allerdings auch berüchtigt für ihr wechselhaftes Wetter, und so zeigte sich schon wenig später in Applecross der schottische Sommer wieder von seiner schönsten Seite.




Von Applecross aus stieg die Straße in steilen Serpentinen zur Paßdurchfahrt des Bealach na Bà (Pass Of The Cattle) auf, und von da aus konnten wir sehen, daß sich eine solide Nebelbank im Inner Sound zwischen Raasay und dem Festland festgesetzt hatte. Segeln muß in dieser Gegend sehr aufregend sein.




Überhaupt macht die Westküste überall den Eindruck eines traumhaften Segelreviers, und wir haben mittlerweile beschlossen, auf jeden Fall irgendwann mal einen Törn in dieser Gegend anzugehen.

Nachdem wir den Paß überquert hatten, führte uns die Straße wieder steil abwärts durch eine grandiose Schlucht hinunter zum Loch Kishorn. Die Paßstraße war voller Motorräder, was bei diesem großartigen Wetter und dem spektakulären Panorama mehr als verständlich war.




Da wir gut in der Zeit lagen, entschlossen wir uns zu einem weiteren kleinen Abstecher an den Loch Duich, um das dort liegende Eilean Donan Castle zu besichtigen... das vermutlich meistfotografierteste Gebäude Schottlands. Erwartungsgemäß war es ziemlich überlaufen von Touristen aus aller Herren Ländern, aber es war trotzdem ein interessantes Erlebnis.




Eilean Donan Castle wurde um 1220 zum Schutz vor den norwegisch-keltischen Herrschern der "Lordship of the Isles" erbaut, die damals über die äußeren und inneren Hebriden herrschten und in ständigem Konflikt mit dem Herrschaftsbereich des Earl of Ross auf dem nordschottischen Festland lagen. Die Burg wurde zum Stammsitz der Clans Mackenzie und Macrae, die ihrerseits Vasallen von Ross waren.

Nachdem sich die Mackenzies im Aufstand von 1715 einmal zuviel auf die falsche Seite (nämlich auf die der im Exil lebenden königlichen Dynastie der Stuarts) geschlagen hatten, wurde Eilean Donan Castle 1719 durch die britische Marine zerstört und fristete ein trauriges Dasein als Ruine, bis der Erbe der Macraes, John Macrae-Gilstrap, das Anwesen zwischen 1919 und 1932 in mühevoller Arbeit wieder aufbaute und zum Sommersitz seiner Familie machte.

Heute ist das Schloß ein liebevoll hergerichtetes Museum und bildet das Alltagsleben einer schottischen Adelsfamilie der spätviktorianischen Zeit ab.

Vom Loch Duich aus war es dann nur noch ein Katzensprung über die Skye Bridge auf die Isle of Skye. Unsere Unterkunft war auch diesmal wieder ein gemütliches Bed & Breakfast mitten im Nirgendwo mit unschlagbarem Seeblick.




Wir beschlossen den Tag mit einem kleinen Spaziergang durch ein benachbartes kleines Flußtal am Fuß der Cuillin Hills zwischen Rindern, Schafen und Pferden... und Mücken. Oben an der Nordküste hatten wir von den Biestern noch nichts bemerkt, aber hier unten werden sie jeden Abend gegen Sonnenuntergang zur Landplage.



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