Sonntag, 26. Mai 2013

Ostseetörn - Tag 2

Als wir morgens aus den Kojen krochen, erwartete uns blauer Himmel und Sonnenschein. Bei vier bis fünf Windstärken aus nördlichen Richtungen liefen wir aus und segelten Richtung Fördeausgang. Getreu der alten Seglerweisheit "Es ist Zeit zum Reffen, wenn du zum ersten Mal drüber nachgedacht hast", banden wir ziemlich bald das erste Reff ins Großsegel, nachdem es uns einige Male ordentlich auf die Seite gelegt hatte und das Boot sich trotz massiver Kurbelei am Steuerrad beharrlich in den Wind drehen wollte. Dabei stellten wir fest, daß die vorherige Crew anscheinend aus Bondage-Fans bestanden haben mußte, denn die Reffleinen waren derart miteinander verknotet und durch diverse Tampen an der Baumnock gesichert, daß wir etwa zwanzig Minuten für das Reffen brauchten.

Das deutsche und das dänische Fördeufer öffneten sich zu dem mittlerweile vertrauten Panorama und unsere Laune, die etwas unter dem gestrigen Regenwetter gelitten hatte, besserte sich merklich, obwohl sich die Sonne schnell wieder verabschiedete. Wir liefen weiter nach Osten, rundeten die "Schwiegermutter" vor Holnis (wer wissen möchte, wie diese rote Fahrwassertonne zu ihrem schmeichelhaften Namen kommt, möge sich mal die Tiefenangaben auf der Seekarte angucken), und wenig später weitete sich die Förde in die Geltinger Bucht und die Sønderborg-Bucht. Am Horizont war der Leuchtturm Kalkgrund und der Fördeausgang zu erkennen, und die große weite Welt winkte uns zu. Obwohl es noch nicht Hauptsaison war, bevölkerte eine Unzahl von großen und kleinen, alten und neuen, sportlichen und gemütlichen Segelbooten den großen Meeresarm.

Da die Crew nach einem Mittagsschläfchen im Cockpit nach Beschäftigung dürstete, gab es vor Sønderborg eine Runde Manövertraining für alle. Nach ein paar Wenden und Halsen mußte ein armer Fender als Übungsdummy herhalten, und eine fröhliche Runde "Boje über Boot" unter Segeln begann. Dabei mußten wir feststellen, daß die - schon etwas länger zurückliegenden - Lektionen aus unserer Segelschülerzeit doch ein wenig eingerostet waren und deutlich der Auffrischung bedurften. Nachdem wir die unvorsichtige Boje unter heroischem Einsatz diverse Male aus Lebensgefahr gerettet hatten, zogen von Nordosten einige dunkle Regenwolken auf und bewogen uns dazu, zügig in den Yachthafen Sønderborg einzulaufen.

Gebratener grüner Spargel mit Lachs und Rucola-Pesto auf Pasta rundeten unseren Tag ab. Wir leben hier wie Gott in... na ja, in Dänemark.

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