Auch die schönsten Inselaufenthalte gehen irgendwann zu Ende... nach drei Tagen fuhren wir heute wieder bei bewölktem Himmel und immer wiederkehrenden Regenschauern wieder über die Skye Bridge nach Kyle of Lochalsh ans Festland. Von dort aus ging es erneut vorbei an Eilean Donan Castle nach Fort William am Loch Linnhe. Fort William trägt den stolzen Titel "Outdoor capital of the UK", was unter anderem seiner strategisch günstigen Lage direkt neben dem Ben Nevis, dem höchsten Berg Großbritanniens, liegen dürfte.
Eigentlich wollten wir dort nur einen kurzen Versorgungshalt einlegen und dann gleich weiter in Richtung unseres heutigen Etappenziels Glencoe weiterfahren. Stattdessen wurde dann aber doch ein kleiner Stadtbummel durch die Innenstadt und ein spontaner Besuch der Ben Nevis Distillery daraus.
Anders als in der Talisker Distillery durften wir hier während der gesamten Führung nach Herzenslust Fotos machen, allerdings machte der Führer einen recht wenig motivierten (dafür aber reichlich gelangweilten) Eindruck, während er seinen anscheinend lustlos auswendig gelernten Vortrag in monotoner Stimmlage herunterleierte.
Nach der nunmehr dritten Brennereibesichtigung kennen wir den Produktionsprozeß einigermaßen. Die Gerste wird zuerst gemälzt, d.h. sie wird in Wasser eingelegt und zum Keimen gebracht, um dann anschließend wieder getrocknet zu werden (je nach Destillerie teilweise über Torffeuern, was für das rauchige Aroma verantwortlich ist). Anschließend wird sie grob zermahlen und kommt in den Maischtank...
... wo sie wieder gewässert und der beim Mälzen aus der Stärke entstandene Zucker herausgespült wird. Anschließend wird die süße Lösung in den Gärbehälter geleitet, wo sie unter Zusetzung von Hefe vergoren wird.
Die vergorene Flüssigkeit (im Grunde genommen ein starkes Bier) wird nun in den großen Kupferdestillen destilliert.
Das Ergebnis, der sogenannte "low wine", wird anschließend ein zweites Mal destilliert, wobei jeweils nur der mittlere Teil jedes Destillationsvorgangs, der "centre cut" oder das "heart" verwendet wird, während "head" und "tail", der erste und letzte Teil des produzierten Alkohols, deren Alkoholgehalt zu gering ist, wieder zurück in den Tank mit dem "low wine" fließen und beim nächsten Destillationsvorgang wieder verwendet werden.
Zum Schluß wird der gewonnene "spirit" in Fässer abgefüllt und muß dort mindestens drei Jahre und einen Tag reifen, um nach schottischem Recht als Whisky bezeichnet werden zu dürfen.
Nach der Führung gab es dann die übliche Verkostungsrunde... leider aber nicht mal den hauseigenen Single Malt, sondern einen vierjährigen Blended Whisky. Der erwies sich als wenig beeindruckend. Ein leichter Hauch Rauchigkeit, ein bißchen schwer definierbare Süße (für mich ging es irgendwie etwas in Richtung Marzipangebäck), und schon war alles vorbei und nicht die Spur eines Geschmacks blieb zurück. Der ziemlich schräge "Informations"-Film zu Beginn der Führung, der den Ursprung des Whiskys mit übelst billigen Versatzstücken schottischer Pseudo-Folklore (und dem miesesten Laiendarsteller der Welt) erläuterte, tat ein Übriges, um den wenig ansprechenden Eindruck zu verstärken.
Etwas irritiert setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten wenig später eine Sehenswürdigkeit, die ich einfach mal nur als Foto darstellen möchte.
Wer uns als erster sagen kann, in welchem Film der letzten Jahre dieses Bauwerk eine "tragende" Rolle gespielt hat, wird mit einem Whisky (nicht aus dem Hause Ben Nevis) bei uns zuhause belohnt...
Am späten Nachmittag kamen wir dann schließlich in Glencoe an. Glencoe ist ein beschauliches kleines Dorf (wie fast jeder Ort, den wir auf dieser Reise erlebt haben) und liegt im gleichnamigen Tal am Loch Leven (nicht dem bei Kinross, den wir zu Beginn unserer Reise besucht haben... es gibt tatsächlich zwei Seen dieses Namens).
Die umliegenden, steil aufragenden Berge bieten von hier unten in der Talsohle einen wahrhaft majestätischen Anblick, aber irgendwie vermissen wir jetzt schon wieder die See... und das, obwohl der Loch Leven sogar ein weit ins Binnenland ragender Meeresarm ist.
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