Der letzte Tag in den Highlands begann mit dem üblichen kräftigen schottischen Frühstück und der wehmütigen Gewißheit, daß unser Urlaub nun wirklich beinahe vorbei war. Anschließend starteten wir in Richtung Edinburgh und konnten dabei im Vorbeifahren auf dem Weg durch den Pass of Glen Coe noch einen Blick auf die Route werfen, die wir gestern zu Fuß bewältigt hatten. Auch aus größerer Entfernung war nicht zu erkennen, daß sich im Lost Valley mehr verbirgt als nur eine steile, scheinbar weglose Schlucht mit einem tief eingeschnittenen Bachbett.
Das anstehende lange Wochenende des "Diamond Jubilee" der Queen hatte anscheinend eine Menge Leute zu einem Trip ins Grüne bewogen, jedenfalls waren die Parkplätze voll und die Wege hoch in die Berge wimmelten von Wanderern. Glen Coe liegt eben doch nicht mehr so weitab der Zivilisation wie die kleinen verträumten Dörfer an der Westküste und in den Northern Highlands, die wir in der ersten Hälfte unserer Reise erkundet hatten. Wenige Kilometer weiter sahen wir in der Gegenrichtung die ersten Staus, und auf den Parkplätzen drängten sich die Reisebusse und Imbißstände. Auf einmal schien die Aussicht, von hier wegzukommen, doch nicht mehr so schlimm aus.
Einige Stunden Fahrt über gut ausgebaute Überlandstraßen und ein Stück Autobahn führten uns schnell wieder nach Edinburgh zurück, und wir beschlossen, vor dem Einchecken ins Hotel noch einen kleinen Stadtbummel zu machen.
Der Weg mit dem Auto ins Zentrum stellte sich wegen überall gleichzeitig eröffneten U-Bahn-Baustellen allerdings als kleines Abenteuer dar, das durch den großstädtischen Massenverkehr nicht eben gemindert wurde. Bianca war stellenweise leicht gestreßt und sehnte sich schnell in die Einsamkeit der einspurigen Hochlandstraßen zurück. Überhaupt war es für uns nach fast zwei Wochen in der unberührten Natur und kleinsten Dörfern mehr als ungewohnt, plötzlich wieder soviele Menschen, Lärm, Hektik und Betriebsamkeit um uns zu haben.
Edinburgh ist bestimmt eine interessante Stadt, die einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, aber wir waren beide definitiv nicht in der Verfassung, etwas davon zu genießen. Als wir gerade inmitten einer Herde von Wochenendshoppern, kameraschwenkenden Japanern und krakeelenden Großfamilien über die Brücke zur Old Town geschoben wurden, drehte sich Bianca kurzerhand zu mir um und fragte einfach: "Wollen wir nicht lieber nach Durness zurückfahren?" Und in diesem Moment hätte ich überhaupt nichts dagegen gehabt... ich bin irgendwie doch kein Mensch für die Großstadt.
Wir drehten dann jedenfalls pflichtgemäß eine Runde durch Old Town und klettern auf den Hügel von Edinburgh Castle...
... wo die fleißigen Bauarbeiter selbst am Samstagnachmittag noch an den Tribünen für das anstehende Royal Edinburgh Military Tattoo werkelten. Von einer Besichtigung sahen wir nach Begutachtung der mehr als gesalzenen Eintrittspreise allerdings schnell wieder ab.
Dafür schauten wir uns den Wachwechsel der zeremoniell gekleideten Wachsoldaten an...
... spazierten weiter durch New Town und schlossen unseren Stadtbummel mit einem Gang durch die Shoppingmeile in der Princess Street. Anschließend flüchteten wir uns in die relative Ruhe unseres mehr als ramschigen Flughafenhotels zurück und beklagten die Ungerechtigkeit des Daseins, das ein so unausgewogenes Verhältnis zwischen Urlaub und Nicht-Urlaub pflegt.
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