Freitag, 29. Juni 2012

Halbfinale in absentia

Fußball-Länderspiele sind prima... alle Welt sitzt zuhause vor der Flimmerkiste, in der Stammkneipe oder beim "Pablick Wjuhing". Und auf den Straßen und in den Häfen ist es erfreulich ruhig (um nicht zu sagen totenstill).

Als bekennender Nichtfußballfan hatte ich mir den Abend des EM-Halbfinales ausgesucht, um endlich mal "Thor" unter Segeln probezufahren. Meine freien Abende sind ja leider durch Spät- und Nachtdienste eher dünn gesät. Bianca war erst hin- und hergerissen, aber schlußendlich besiegte ihre Segeleifersucht ihre Liebe zum runden Leder, und so fuhren wir gegen sechs Uhr abends mal wieder die A 27 hoch.

Das Wetter lud geradezu ein zu einem kleinen Schlag Kaffeesegeln... sonnig, 26 Grad, und am Wasser eine kleine Brise, die die Wärme erträglich machte. Nach einigen Basteleien am Rigg wandte ich mich ein weiteres Mal dem widerspenstigen Außenborder zu. Ein paar Minuten Probelauf brachten das Ergebnis: bei geschlossenem Motorschacht schickte sich der Yamaha tatsächlich nach kurzem Leerlauf selber per Abgase ins Reich der Träume. Der Abgasauslaß ist unter Wasser bei der Schraube, und im Stand und bei sehr langsamer Fahrt steigen die Abgase direkt in den Motorschacht auf. Also Schachtdeckel auf, Yamaha wieder aufwecken und ablegen...

Draußen vor der Hafeneinfahrt setzten wir zum ersten Mal Fock und Großsegel und "Thor" feierte seine Premiere unter Segeln.




Wir drehten Richtung Süden und fuhren mit dem Flutstrom flußaufwärts. "Thor" benahm sich wie erwartet außerordentlich gutmütig und erwies sich zwar nicht gerade als rassige Rennmaschine, machte aber selbst ohne große Genua laut unserem Sumlog eine ganz ordentliche Geschwindigkeit von fast 5 Knoten durchs Wasser.




Leider verfinsterte sich nach relativ kurzer Zeit nicht nur das Gesicht des Skippers...




... sondern auch der Himmel im Südosten, als eine düstere Wolkenwand aufzog. Das schwüle Wetter hatte uns sowas schon vorher vermuten lassen. Da wir es erstmal langsam angehen lassen wollten, drehten wir kurz vor der Tonne 71 wieder um und segelten zurück nach Großensiel.

Das Segelbergen klappte auch einigermaßen reibungslos, obwohl wir zwischendrin im Eifer des Gefechts um Haaresbreite nähere Bekanntschaft mit dem Unterfeuer Nordenham gemacht hätten. Für die nicht Ortskundigen: das ist ein überaus unfreundlicher, 15 Meter hoher Betonpfeiler, der strategisch günstig direkt neben der Hafeneinfahrt steht. Eigentlich ist er so gut zu sehen, daß man im Grunde nicht wirklich damit kollidieren kann. Allerdings mußten wir einsehen, daß simultanes Großsegelbergen, Boot mit zwischen die Knie geklemmter Pinne zu steuern und Ausguck halten eine Disziplin ist, die etwas Übung verlangt.

Diesmal achtete ich beim Einlaufen darauf, dem Motor ordentlich Atemluft zu gönnen, was er mit reibungsloser Funktion bis zum Festmachen an unserem Liegeplatz quittierte.

Ein schöner, wenngleich etwas kurzer Ausflug wars... nächstes Mal bringen wir mehr Zeit mit. Ach ja, das Wetter blieb übrigens auch nach dem Einlaufen trotz des etwas ungemütlichen Anblicks ruhig und trocken... wahrscheinlich sollte ich den Damen und Herren von Windfinder.com (die genau das vorhergesagt hatten) etwas mehr Glaubwürdigkeit zugestehen.

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