Wir hatten uns aber darauf geeinigt, heute die erste Etappe unseres Überführungstörns nach Bremen zu segeln. Die Segelsaison ist zu Ende, "Thor" muß ins Winterlager, und am nächsten Wochenende ist Krantermin in unserem neuen Verein. Also zwang ich mich grummelnd aus dem Bett und schlüpfte in meine Segelsachen.
Unten warteten schon Torben und Henriette, die uns heute begleiten wollten. Wir fuhren mit zwei Autos und stellten eins unterwegs an unserem Zielort ab. Der Wetterbericht stellte uns Regenschauer und kräftigen Wind in Aussicht, weswegen wir uns nach Monaten mal wieder in unser komplettes Ölzeug warfen.
Unterwegs erwischte uns schon der erste Regenguß, aber als wir am Hafen ankamen, schaute die Sonne schon wieder durch die Wolken. Eingedenk der vorhergesagten fünf Windstärken banden wir von vorneherein ein Reff ins Großsegel und liefen gegen 14:30 Uhr aus, etwa zwei Stunden nach Niedrigwasser.
Der vorherrschende Westwind ließ einen komfortablen Halbwindkurs stromaufwärts zu. Als wir den Vorhafen verließen, war ich schon fast in Versuchung, gleich wieder auszureffen, aber die ersten paar Böen, die uns trotz Reff ordentlich auf die Seite legten, belehrten mich schnell eines Besseren. Die frische Brise und der Flutstrom ließen uns aber auch gerefft schnell vorankommen, und unser GPS zeigte streckenweise Geschwindigkeiten von über 9 Knoten über Grund an.
Es war ein wunderbares Segeln... die herbstliche Unterweser war fast leer, der frische Wind pustete uns ordentlich durch, die Sonne und der blaue Himmel guckten immer wieder durch die Wolkendecke, immer wieder tauchten Regenbögen auf und ich rang mich schnell zu der Einsicht durch, daß das wohl doch etwas besser war als zuhause im Bett zu liegen.
Dunkelgraue Regenwolken zogen immer wieder durch, verpaßten uns aber jedes Mal knapp. Nach einer zügigen Passage glaubten wir schon fast daran, trocken ans Ziel zu kommen, bis uns dann kurz vor dem Huntesperrwerk doch noch ein kleines Unwetter einholte und uns mit einem prasselnden Regenguß und etlichen kräftigen Böen bedachte.
Da wir aber warm und trocken eingepackt waren, störte uns das wenig, und als wir gegen 17:00 Uhr im Stadthafen Elsfleth festmachten, schien schon wieder die Sonne und trocknete die nassen Segel. Der freundliche Hafenmeister erschien, kassierte ab, ließ uns das Boot nochmal auf die andere Stegseite verholen und verschwand wieder im Café.
Während die Segel langsam trockneten, saßen wir noch eine halbe Stunde im Cockpit und genossen den Sonnenuntergang und den Ausblick auf die schilfbewachsene Uferwildnis auf der anderen Flußseite. Um diese Jahreszeit war der Schwimmsteg im Herzen der Stadt fast leer. Kein Bootsverkehr, keine ankommenden Gastlieger, nur ein paar Spaziergänger, die Kühe auf den Flußweiden und die Möwen... eine paradiesische Ruhe.
Irgendwann rissen wir uns los, packten unsere Sachen und gingen zum Auto. Ein kurzer, aber nichtsdestotrotz wunderschöner Segeltag lag hinter uns, und ob der nun wirklich fast beendeten Saison machte sich bei mir eine gewisse Wehmut breit. Nun ja, am Wochenende kommt die finale Etappe, und im nächsten Frühjahr geht es weiter... dann mit einem hoffentlich erfolgreich renovierten Boot. Die Mühe und Arbeit sind es jedenfalls wert.
"...die herbstliche Unterweser war fast leer", wäre da nicht der kleine, niedliche Seehund gewesen, der neben unserem Boot auftauchte und uns mit großen Augen anguckte. Das war mein persönliches Highlight an diesem Tag. :-)
AntwortenLöschenhttp://dankvolker.wordpress.com/
AntwortenLöschenUnd das ist auch in unserer Nähe passiert. Der Mann im roten Trockenanzug ist übrigens Alex Z.
Ich präzisiere: http://dankvolker.wordpress.com/2012/10/07/haveriekommando/
AntwortenLöschenDas ist passiert.
Wie krass!! Wann war das denn? Vermutlich bevor wir da langgefahren sind, oder doch danach? Die Grossherzogin Elisabeth haben wir ja auch noch gesehen. Und das gekenterte Boot kennen wir auch (siehe Blogeintrag vom September).
AntwortenLöschenHeftig!!! Das muß ja entweder hinter uns oder weiter stromaufwärts passiert sein. Wir müssen Alex nächstes Mal quizzen. Wie haste den verlinkten Blogeintrag denn gefunden und wer ist das?
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