Montag, 10. September 2012

Historisches

Letzten Samstag hatten wir mal wieder einen Gast an Bord: Daniel war für ein Wochenende in Bremen und schloß sich uns für einen kleinen Tagestörn an. Wir liefen um kurz nach zehn Uhr morgens mit dem ablaufenden Wasser aus. Es war drei Stunden vor Niedrigwasser,und trotzdem zogen wir im hinteren Teil des Hafens (wo unser Liegeplatz ist) schon deutliche Spuren mit unserem 0,95 m tiefen Kiel durch den Schlickgrund.




Draußen vor dem Hafen sammelte sich eine ganze Reihe großer und kleiner Yachten zur NSG-Herbstregatta, aber wir unsportliche Fahrtensegler mogelten uns schnell am Teilnehmerfeld vorbei, setzten die Segel und fuhren stromabwärts in Richtung Bremerhaven. Es war etwas bewölkt mit zwei bis drei Windstärken, aber der Morgen versprach einen schönen Segeltag, und ab und zu zeigten sich schon kleine Lücken in der Wolkendecke.

Nachdem wir den "Ochsenhals" (den Weserknick bei Bremerhaven) passiert hatten, liefen wir hoch am Wind zwischen Fahrwasser und Buhnen weiter weserauswärts. Die Landabdeckung wurde weniger, der Wind nahm zu und die Wellen wurden etwas höher, so daß die Gischt immer wieder bis ins Cockpit spritzte... ein wundervolles Segeln.

Am Containerterminal sahen wir zum ersten Mal außer den diversen üblichen Frachtern zwei Kreuzfahrtschiffe. Unser konstantes "Höhe kneifen" lohnte sich... wir kamen mit nur einem Kreuzschlag an den Kaianlagen vorbei und statteten unseren alten Bekannten, den Seehunden auf dem Langlütjensand, mal wieder einen Besuch ab. Einen von ihnen packte wohl die Neugierde oder Langeweile, jedenfalls tauchte plötzlich wenige Meter hinter dem Boot ein kleiner Kopf aus dem Wasser und schaute uns mit großen Kugelaugen interessiert an.

Gegen halb eins drehten wir um und fuhren wieder Richtung Heimat. Dabei trafen wir die "Ubena von Bremen", einen relativ originalgetreuen Nachbau der einzigen (zumindest partiell) erhaltenen Hansekogge. Das Original stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde 1962 bei Hafenerweiterungsarbeiten im Schlick der Weser entdeckt und in einem mühevollen, jahrzehntelangen Verfahren konserviert.

Relativ originalgetreu deswegen, weil der majestätische Holzbau zunächst nicht durch Segel, sondern durch einen gemütlich blubbernden Dieselmotor angetrieben wurde. Anscheinend war den Erbauern eine Seefahrt ausschließlich mit den Mitteln unserer Vorfahren doch etwas zu mühsam. Nachdem wir das gemütlich dahinmotorende Schiff allerdings überholt hatten, setzte die Crew tatsächlich in viertelstundenlanger Arbeit das große Rahsegel mit dem Bremer Schlüssel und präsentierte uns einen Anblick aus einer fernen Epoche, in denen die großen Kauffahrteischiffe der mächtigen Hanse im gesamten Nord- und Ostseeraum von Belgien bis Rußland verkehrten und ihren Eignern zu Reichtum und Wohlstand verhalfen.




Das sollte aber nicht das einzige schöne Traditionsschiff bleiben, das wir heute zu Gesicht bekamen, denn kurz vor der Geestemündung kam uns der Jugendkutter "Vegefeuer" entgegen, der hart am Wind weserabwärtskreuzte, sich sportlich auf die Seite legte und uns in wenigen Metern Abstand passierte.








Nachmittags gegen vier Uhr machten wir wieder in unserem Heimathafen fest... mittlerweile war die Sonne endgültig durch die Wolken gekommen und wir waren uns einmal mehr darüber einig, daß "Thor" eine der besten Investitionen unseres Lebens gewesen ist...

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