Also hieß es am letzten Mittwoch trotz Urlaub für uns, zu einer barbarischen Uhrzeit aufzustehen... genauer gesagt, um halb sieben Uhr morgens. Schönes Wetter entschädigte uns für die frühe Stunde, und nachdem wir das mit Bootszubehör vollgestopfte Auto ausgeräumt (und den Inhalt in unser nicht minder vollgestopftes Boot verfrachtet) hatten, liefen wir um kurz nach neun bei bestem Segelwetter aus.
Wir segelten mit dem Flutstrom weseraufwärts und passierten nach etwa einer Stunde die Hafenanlagen von Brake, wo die üblichen Winddreher und Flautenstriche die Fahrt kurzzeitig etwas unentspannt machten. Ein gigantischer Saugbagger legte vom Niedersachsenkai ab, überholte uns und überraschte uns unmittelbar danach mit einem unvermuteten Wendemanöver nebst ohrenbetäubendem Warnsirenengeheul. Wir retteten uns ans östliche Weserufer und bekamen glücklicherweise schnell wieder ordentlichen Wind.
An Backbord zog die Flußinsel Harriersand vorbei und mit ihr jede Menge kleiner Badestrände, Wochenendhäuser und Campingplätze. Der frische Südostwind und die Tide ließen uns gut vorankommen, und um 12:00 Uhr erreichten wir die Huntemündung. Das Sperrwerk war offen, aber die Klappbrücke war geschlossen und für ein paar Minuten drehten wir Kreise unter Motor im Vorbecken und versuchten verzweifelt, uns an unsere genaue Masthöhe zu erinnern. Glücklicherweise löste sich unser Dilemma nach kurzer Zeit per Brückenöffnung und wir fuhren in die Hunte ein.
Etwa einen halben Kilometer stromaufwärts erreichten wir den Sportbootanleger Elsfleth und machten fest. Der Anleger liegt mitten im Stadtzentrum direkt neben dem Bahnhof; glücklicherweise hält sich der Zugverkehr deutlich in Grenzen.
Wir verbrachten den Nachmittag mit einem ausgedehnten Spaziergang zwischen Weser und Hunte...
... und machten nähere Bekanntschaft mit der örtlichen Fauna.
Den Abend beschlossen wir beim Italiener um die Ecke. Anschließend richteten wir uns unser Nachtlager an Bord ein...
... und stellten bei dieser Gelegenheit fest, daß ein Boot dieser Größe im Grunde nichts anderes als ein schaukelndes Zweipersonenzelt mit erheblichem Kopf-Anstoß-Potential ist. Nichtsdestotrotz verbrachten wir eine erholsame Nacht, an der auch sintflutartige Regengüsse nichts änderten.
Am nächsten Tag legten wir gegen Mittag ab, um mit dem Ebbstrom wieder in Richtung Norden zu fahren. Leider hatten wir bis Höhe Brake fast keinen Wind, so daß die erste Hälfte der Fahrt zu einem unbefriedigenden Dümpeln wurde. Als sich jedoch die Weser nördlich der Kaianlagen von Brake wieder weitete, kam wieder ein frischer Wind auf und wir kreuzten mit zwei bis drei Windstärken stromabwärts.
Am Ende kamen wir fast zu spät, weil uns das Schneckentempo zu Beginn so viel Zeit gekostet hatte, daß wir beinahe nicht mehr den nötigen Wasserstand zum Einlaufen in unseren Heimathafen hatten. Bianca richtete sich in der Navigationsecke häuslich ein und rechnete Tonne für Tonne mit spitzem Bleistift kontinuierlich aus, ob wir noch in der Zeit lagen.
Wir schafften es noch gerade rechtzeitig und machten gegen 17:00 Uhr an unserem Liegeplatz fest. Bereits beim Aufräumen des Bootes fiel der Hafen mehr und mehr trocken und zeichnete fantasievolle, vielfarbige Muster aus Wasser und Schlick im Hafenbecken.
Ein anderer Segler war leider noch etwas unpünktlicher und hatte sich mitten im Hafen im Schlick festgefahren...
Nun ja, vier Stunden Wartezeit in Spuckweite des zum Greifen nahen und trotzdem unerreichbaren Steg dürften dem armen Skipper die Wichtigkeit ordentlicher Törnplanung ziemlich nachdrücklich vor Augen geführt haben. Der Hafen wird jährlich zu Saisonbeginn ausgebaggert, allerdings verschlickt er zum Saisonende hin zunehmend wieder.
Nachdem ich inzwischen auch schon zweimal beim Auslaufen im Schlick feststeckte und jeweils nur noch im Schneckentempo mit heulendem Motor zurück zum Steg kam, bin ich jedenfalls dazu übergegangen, sicherheitshalber nicht während der Zeitspanne von drei Stunden vor bis drei Stunden nach Niedrigwasser ein- und auszulaufen.
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