Unser letzter Seetag begrüßte uns mit bestem Wetter und leichtem Wind aus Nordost. Da wir nur einen kurzen Schlag von zwanzig Seemeilen vor uns hatten, ließen wir es bei einem ausgiebigen Frühstück erstmal ruhig angehen. Es kostete uns einige Mühe und angestrengtes Nachdenken, zum Ablegen ein System in unsere Festmacher, die der Nachbarboote und unsere diversen Springs und Hilfsleinen zu bringen, aber schlußendlich bugsierten wir uns wieder reibunglos an einer improvisierten Mittelspring vorwärts aus der Box in die enge Boxengasse und liefen aus.
Die Förde zeigte sich zum Abschied von ihrer besten Seite. Der tiefblaue Meeresarm vor dem Panorama der tiefgrünen Hügel, hellgelben Rapsfelder und braunen Steilküsten am dänischen und deutschen Ufer unter einem fast wolkenlosen Himmel lud zum Träumen ein. Wir segelten hoch am Wind mit sieben Knoten nach Westen. Das Boot schnitt durchs Wasser, legte sich in den Böen auf die Seite und der Wind wehte uns ins Gesicht - traumhaftes Segeln. Schweinswale, Trottellummen und Kormorane leisteten uns Gesellschaft, und schnell fanden sich auch ein paar Boote, die in dieselbe Richtung unterwegs waren.
Getreu dem alten Seglermotto "Ein Boot ist ein Törn, zwei Boote sind eine Regatta" fingen wir natürlich sofort an, mit minimalen (und vermutlich ziemlich bedeutungslosen) Änderungen des Segeltrimms herumzuspielen, um noch den einen oder anderen Viertelknoten aus unserer behäbigen Fahrtenyacht herauszuholen. Ob es einen Effekt hatte, war nicht festzustellen, aber wir versägten zumindest ein paar Boote (die zu klein oder deren Besatzungen zu bequem waren) und fühlten uns schlagartig, als ob wir den Admiral's Cup gewonnen hätten.
Nachdem wir die "Schwiegermutter" gerundet hatten, nahm der Wind in der Innenförde etwas ab. Der Vorwindkurs Richtung Flensburg tat ein übliches, um die letzten Meilen mehr als geruhsam verlaufen zu lassen.
An diesem schönen Freitagmittag waren natürlich eine Menge andere Segler und Wassersportler in beiden Richtungen auf der Förde unterwegs. Die weite Wasserfläche war voll mit Segeln in allen Farben, Formen und Größen...
... ein- und auslaufende Yachten, Windsurfer, Jollen. Der große rote Kasten der Marineschule Mürwik zog ein weiteres Mal an uns vorbei...
... und dann waren wir wieder in Flensburg angekommen. Wir stoppten kurz am Tankstellensteg, bunkerten Diesel und legten dann wieder am Steg unserer Charterfirma an. Glücklicherweise waren wir recht früh dran, so daß wir in Ruhe anlegen und den Rest des Nachmittags von unserem Cockpit aus mit einem kühlen Hafenbier in der Hand die nachfolgenden Chartercrews beim Einlaufen beobachten und kräftig lästern konnten. Yachties sind wirklich ein fieses Volk. Allerdings mußten wir an diesem sonnigen Nachmittag feststellen, daß manche Charterkunden wirklich so grottenschlecht wie ihr Ruf sind.
Wir ließen den Tag in aller Ruhe mit dem (intensiven, aber vergeblichen) Versuch ausklingen, die Restbestände an Bier, Schokolade, Keksen und sonstigen ungesunden Viktualien zu vertilgen. Die Küchencrew produzierte eine unwahrscheinlich gehaltvolle Restepastasoße, in die u.a. eine ganze Knoblauchknolle wanderte (was belegt, daß wir uns an Bord immer sehr gesund ernährten; Knoblauch ist bekanntlich ein altes Hausmittel gegen Arterienverkalkung, Impotenz, Vampire und soziale Kontakte).
Als es dunkel wurde, kamen wir zum krönenden Abschluß tatsächlich noch in den Genuß eines fantastischen Feuerwerks, das sich vom gegenüberliegenden Fördeufer in den Nachthimmel erhob. Ein passender Schlußpunkt für einen gelungenen Törn...
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