Schneller als erwartet war der große Tag da... nach längerem Hin und Her mit Vereinskameraden und unserem Kranführer hatten wir uns auf einen Krantermin zum Einwassern geeinigt.
Dabei begann alles erstmal recht ungünstig: der Kranonkel hatte sich verspätet, Jonna brüllte, die Mama hatte in
fataler Mißachtung grundlegender Bootsbastelerfahrungen ihre beste neue
Jeans an (die nun mit dekorativen roten Farbflecken aus feinster
Biozid-Antifoulingfarbe verziert ist), und die Ebbe nahm uns das Wasser
weg. Beim Kranen hatten wir gleich Grundberührung, der Außenborder
startete nur nach gutem Zureden und fiel anschließend noch zweimal aus
(während wir hilflos auf der Weser trieben) und der Benzinhahn
verabschiedete sich mit Verachtung.
Als der Kahn dann sicher am Steg lag und ich im schwindenden Licht
den gröbsten Winterdreck wegschrubbte, beschallte mich vom nebenan
gelegenen FKK-Club her eine Nudisten-Satanisten-Tanz-in-den-Mai-Party
mit einer liebreizenden Mischung aus mongolischer Obertonmusik,
baskischen Volksweisen und (vermutlich) altpersischen
Menschenopfergesängen. Über die dazu ablaufenden Rituale mochte ich
nicht mal spekulieren.
Als ich gerade dabei war, ob dieser geballten Ladung Ethno-Esoterik
meinen Frieden mit dem Kosmos zu machen und meine innere Mitte zu
finden, klingelte das Handy. Jonna war dran und plärrte mir die Ohren
voll, während Mama verzweifelt versuchte, auch noch zu Wort zu kommen.
Ich konnte mit Mühe die Worte “Das Kind schreit nur noch, komm sofort
nach Hause!” ausmachen. Ich hätte es vermutlich aber ohnehin aufgrund
meines erheblich ausgeprägten kriminalistischen Talents deduzieren
können. Komischerweise hatten die Götter aber ein Einsehen (oder gerade
anderes zu tun), denn als ich zuhause ankam, war wieder alles ruhig, das
Essen schon im Ofen und der häusliche Friede wiederhergestellt. Was für ein gelungener Tag.
Erwähnte ich schon, daß Segeln ein total entspanntes, quasi meditatives Hobby ist?
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